Die Pflicht, am 9. Ava zu fasten, gilt für alle - auch für schwangere und stillende Frauen. Am 9. Ava ist es den Juden sogar verboten, die Tora zu studieren, denn das Studium der Tora gilt als Quelle der Freude. Jedoch wird es erlaubt, einige Traktate des Talmuds, die der Trauer gewidmet sind, und einige biblische Bücher wie Hiob, die Klagelieder und bestimmte Kapitel des Propheten Jeremia, zu lesen. Wenn Tish'a B'Av nicht auf den Schabbat fällt, wird am Vorabend eine traditionelle Mahlzeit gehalten mit Brot und gekochten Eiern, die mit Asche bestreut werden. Wenn es jedoch auf den Schabbat fällt, dann wird es auf den nächsten Tag übertragen. Andere Bräuche umfassen das Sitzen auf niedrigen Stühlen und den Besuch von Friedhöfen. In 2019 entsprach der 9. Ava dem 11. August nach dem gregorianischen Kalender.

Die Idee dieses Trauertages kommt angeblich von den Kundschaftern, die Mosche nach Kanaan geschickt hatte, um mehr über das Land zu erfahren, das der Allmächtige seinem auserwählten Volk gab. Das fünfte Buch der Tora, „Dvarim“, erklärt, dass aus Angst vor dem bevorstehenden Krieg die Juden selbst Mosche zwangen, Kundschafter hinzuschicken. „Da tratet ihr alle zu mir und sagtet: Lasst uns Männer vor uns hersenden, dass sie das Land für uns erkunden und uns Bericht erstatten über den Weg, auf dem wir hinaufziehen, und über die Städte, zu denen wir kommen sollen!“ (5 Mo.1:22). Als Sie zurückkehrten, berichteten sie: „Und ihr murrtet in euren Zelten und sagtet: Weil der HERR uns hasst, hat er uns aus dem Land Ägypten herausgeführt, um uns in die Hand der Amoriter zu geben, damit sie uns vernichten. Wohin ziehen wir? Unsere Brüder haben unser Herz verzagt gemacht, indem sie sagten: Ein Volk, größer und höher gewachsen als wir, Städte, groß und bis an den Himmel befestigt, und sogar Enakitersöhne haben wir dort gesehen!“ (5.Mo.1:27,28). Nur Jehoshua Ben Nun und Kalev, die dem Herrn treu blieben, waren bereit, in den Krieg zu ziehen. Als das ganze Volk die Geschichte der Kundschafter hörte, weinte es: „Da erhob die ganze Gemeinde ihre Stimme und schrie, und das Volk weinte in jener Nacht. Und alle Söhne Israels murrten gegen Mosche und gegen Aaron, und die ganze Gemeinde sagte zu ihnen: Wären wir doch im Land Ägypten gestorben, oder wären wir doch in dieser Wüste gestorben!“ (4Mo.14:1,2). Es wird angenommen, dass die Juden in der Nacht vom 8. auf den 9. Ava geweint haben.

Da die Juden unter Tränen glaubten, dass es besser wäre zu sterben, als nach Kanaan zu gehen, bestand die Strafe Gottes darin, dass alle Menschen, die über 18 Jahre alt waren, als sie aus Ägypten befreit worden waren, in der Wüste sterben würden, wo sie nun 40 Jahre (ein Jahr für jeden Tag der Erkundschaftung) wandern müssten. Gemäß der Tradition wird der Fluch der Sünde auch darin bestehen, dass die Juden das Böse am 9. Ava erleiden werden, bis sie alle ihr Verbrechen des Unglauben bereuen.

Später bestand die Hauptsünde Israels während des Aufenthalts des Volkes im Verheißenen Land in ihrem Götzendienst. Die Strafe kam durch die Babylonier, die den ersten Tempel von König Shlomo im Jahr 586 v. Chr. zerstörten. Es wird angenommen, dass dies am 9. Ava geschah.

Der zweite Tempel, der von den Befreiten aus der babylonischen Gefangenschaft gebaut und von König Herodes rekonstruiert wurde, zerstörten die Römer während des jüdischen Krieges 70 n.Chr. und dieses Ereignis geschah am 9. Ava. Der Talmud stellt traurig fest: „Weswegen wurde der Erste Tempel zerstört? Wegen der drei Sünden: Götzendienst, Ausschweifung und Blutvergießen. ... Aus welchem Grund wurde der Zweite Tempel zerstört, obwohl in diesen Jahren Juden sich mit der Tora beschäftigten, die Gebote hielten und gute Werke taten? Wegen der grundlosen Feindschaft zwischen den Juden und der drei Sünden: Götzendienst, Ausschweifung und Blutvergießen“.

Gemäß der Tradition haben alle nachfolgenden traurigen Ereignisse in der Geschichte Israels auch angeblich am 9. Ava stattgefunden:

Am 9. Ava 135 n. Chr. starb der Anführer des Aufstands gegen Rom, Schimon Bar Kochba. Die historische Fakten zeugen von Hunderttausenden von toten Juden und einer bisher noch nie dagewesenen Verwüstung, die die jüdischen Städte buchstäblich in eine Wüste verwandelte. Im selben Jahr wurde auf Befehl von Kaiser Hadrian an der Stelle von Jerusalem die römische Stadt Elia Kapitolina gebaut. Den Juden wurde verboten, dort zu leben.

Im Jahr 1096, am 9. Ava, begann der erste Kreuzzug, der viele Juden das Leben kostete, und dutzende von jüdischen Gemeinden wurden zerstört.

Am 9. Ava des Jahres 1146: Der zweite Kreuzzug wird von Pogromen unter den Juden in Deutschland und Frankreich begleitet.

Am 9. Ava des Jahres 1290: Vertreibung der Juden aus England.

Am 9. oder 10. Ava des Jahres 1306: Vertreibung der Juden aus Frankreich.

Am 9. Ava des Jahres 1348: Anklage gegen die Juden wegen der Pest (des schwarzen Todes), die zu Pogromen führte.

Am 9. Ava des Jahres 1492: Vertreibung der Juden aus Spanien und Portugal.

Am 9. Ava des Jahres 1555 entsteht das erste Ghetto der Welt, in das die Juden Roms umgesiedelt werden. Zwei Jahre später ziehen alle Juden Italiens ins Ghetto.

Am 9. Ava des Jahres 1648: Bogdan Khmelnytsky begeht ein Massaker an Hunderttausenden von polnischen, ukrainischen und bessarabischen Juden.

Am 9. Ava des Jahres 1882: Anfang der Pogrome im Russischen Reich.

Am 9. Ava des Jahres 1914: Anfang des Ersten Weltkriegs.

Am 9. Ava des Jahres 1942: Anfang der Deportation der Juden aus dem Warschauer Ghetto.

Am 9. Ava des Jahres 1942 entsteht das Todeslager Auschwitz.

Aufgrund dessen, was im Psalm gesagt wird: „denn für einen Moment ist sein Zorn, für [das ganze] Leben sein Wohlgefallen: am Abend wird Weinen, und am Morgen Freude“ (Ps. 30:6), werden alle Juden am 9. Ava von ihren Sünden umkehren und der Messias wird endlich kommen, damit die Tränen durch Freude ersetzt werden. Es ist merkwürdig, dass wir dieses Bild der Errettung Israels im Tanach finden. Der Prophet Sacharja beschreibt den Krieg von allen Nationen gegen Israel: „Und es wird geschehen an diesem Tag, ich werde Jerusalem zu einem schweren Stein für alle Stämme machen; alle, die ihn erheben, werden sich zerreißen, und alle Völker der Erde werden sich gegen ihn versammeln (Sach. 12:3). Dann kommt aber der triumphale Schluss: „Aber über das Haus David und über die Einwohner von Jerusalem will ich ausgießen den Geist der Gnade und des Flehens, und Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben, und werden über Ihn wehklagen, wie man über den einziggezeugten Sohn wehklagt, und trauern, wie man sich um den Erstgeborenen betrübt“ (Sach.12:10). Der lang erwartete Messias wird genau in dem Moment kommen, in dem der Sieg der Feinde unvermeidlich erscheint. Doch wenn die Juden Ihn sehen werden, werden die sie weinen. Denn sie werden den durchbohrten Messias sehen, den, der mit folgenden Worten beschrieben wird: „Denn wer die Sünde nicht kannte, der hat für uns [ein Opfer für] Sünde gemacht, damit wir in Ihm gerecht werden vor Gott“ (2.Kor. 5:21). So werden die Tränen der Israeliten Tränen der Reue sein. Über seine Rückkehr sagte Jeshua ganz klar, dass das genaue Datum nur seinem Vater bekannt sei (Mt. 24:36). Doch selbst wenn dieses große Ereignis nicht am Tish'a B'Av stattfinden sollte, wird das Prinzip des 9. Ava eingehalten: Die Tragödie wird sich in Freude verwandeln, die Ankunft des Messias wird mit der Umkehr des ganzen Volkes verbunden sein. Warum sollte man dieses Prinzip jetzt nicht nutzen? Beginne zu glauben, dass Joshua dein Messias ist, der zum Opfer für deine Sünden geworden ist. Bitte Ihn um Vergebung und genieße die Gemeinschaft mit deinem Vater im Himmel, damit der Tag des Trübsal zu einem Tag der Freude wird!

 






  Der neunte Ava

Der neunte Ava (Tish'a B'Av) gilt als der traurigste jüdische Tag. Die Juden widmen diesen Tag dem Fasten (wenn möglich trocken) und gehen nicht in Lederschuhen in Erinnerung an den zerstörten Tempel; es sollte nichts in der Kleidung aus Leder sein, da keine Opfer gebracht werden. Traditionell sind während des Fastens am 9. Ava fünf Dinge verboten: Essen und Trinken, Waschen, Salben, Tragen von Sandalen (alle Lederschuhe) und eheliche Intimität.



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