bekamen sie meinen ältesten Bruder, bevor mein Vater wegen des Unabhängigkeitskriegs eingezogen wurde. Dann wurde 1951 ein anderer Bruder geboren. Danach zogen sie nach Kanada um. Der Umzug nach Kanada wurde von der Schwester meines Vaters gesponsert, die Auschwitz überlebt hatte. Ich bin in den 1950er Jahren geboren, und meine kleine Schwester kam kurz darauf. Wir hatten ein sehr schwieriges Leben und meine Eltern hatten Mühe, sich der kanadischen Kultur anzupassen. Jedoch merkte ich es nicht direkt. In der Schule war ich ein sehr guter Schüler und ich studierte Philosophie an der Universität von Toronto, wo ich den Herrn kennenlernte.

Ja, es war wirklich sehr schwierig für deine Familie. Wie hast du nun den Herrn kennengelernt?

Ich war entschlossen, Philosophie zu studieren, weil ich davon ausging, ich würde so Antworten oder Alternativen für die falsche Lehre über Gott und das Göttliche finden. Stell dir meine Enttäuschung vor, als mein Professor den allerersten Vortrag mit den Worten beendete: "Ich hoffe, es wird Ihnen klar werden, dass der größte Philosoph, der jemals gelebt hat, Jesus Christus war." Das war vielleicht eine Überraschung! Mein erstes Seminar in Philosophie war über die „Gottesbeweise“ nach Descartes. Dadurch kam ich Gott keinen Schritt näher, aber ich studierte viel in den unterschiedlichen geistlichen Richtungen. Ich nahm an einem Seminar über "Alternative philosophische Richtungen" teil, was mich dazu brachte, über Religionsphilosophie nachzudenken, aber es war nichts Christliches. Die Beschäftigung mit Gott führte mich jedoch zu einem Wendepunkt, als eine Bibel aus dem Rucksack meines älteren Bruders herunterfiel, der zu einer anderen Universität ging. Er wollte Psychologie studieren, was er jedoch später aufgab (er lebt jetzt in Israel). Ich sah die Bibel und war ziemlich überrascht, sie in seinem Rucksack zu sehen. Als ich sie sah, wurde mir klar, dass er und ich, die wir uns immer stritten, früh oder spät in eine Situation kommen würden, in welcher er mir Verse aus der Bibel zitieren würde. So entschloss ich mich, mir eine Bibel zu beschaffen, um in der Lage zu sein, als erster daraus zitieren zu können! Ich ging, holte mir eine moderne Übersetzung der Bibel und begann zu lesen. Ich war stark beeindruckt. Bis zu diesem Zeitpunkt wollte ich Schriftsteller werden. Ich hatte angefangen, einige meiner Gedichte zu veröffentlichen. Ich war noch nicht sicher, was die großen Ziele in meinem Leben sein würden, aber ich war ganz mit Poesie und Journalismus beschäftigt. Schon lange schrieb ich für Studentenzeitungen und für die "University of Toronto Review". Ich gehörte der Redaktion einer College-Zeitung an. Ein paar meiner Freunde haben Erfolg gehabt, zum Teil als renommierte Schriftsteller und Redakteure. Als Student lebte ich für die schöne Literatur. Ich las sie mit der Absicht, ein guter Schriftsteller zu werden, und die Bibel war wirklich „das“ Buch. Ich verstand sie besser, als ich die Bibel in modernen Übersetzungen las. Dann stieß ich auf Johannes 14:6, wo Jeschua sagt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben”. Ich erkannte, dass Er sagte, Er sei Gott. Ich war von Ihm als Mensch fasziniert, erkannte aber auch, dass ich als Jude in Schwierigkeiten kommen könnte. Ich wollte nicht Christ werden. Also beschloss ich, das Buch zu schließen und damit Schluss zu machen. Aber Gott hatte natürlich nicht sein Buch über mir geschlossen, und durch mein Studium kam ich den Glaubensfragen immer näher. Vor allem las ich die Werke des großen Philosophen Blaise Pascal. Er verfasste zahlreiche polemische Schriften, darunter seine berühmte "Wette". Seine großartige Argumentation, die ich im Detail gelesen und studiert habe, war mir sehr wichtig. Ich erinnere mich, wie ich einmal nachts zu beten versuchte, hatte aber keine Ahnung, was ich sagen sollte. Plötzlich kam es in mir hoch: "Gott ist heilig, und ich bin es nicht" und diese große Kluft, die mich von Gott trennte, schien unüberbrückbar zu sein.

Eines Tages ging ich auf den Campus der Universität und sah ein Plakat über einem Mann mit einem sehr jüdischen Namen. Art Katz war Gastsprecher in einem Hörsaal auf der anderen Seite des Campus. Als früherer Pilosophiedozent sprach er über Jesus, und ich ging hin, um ihn zu hören. Ich nahm Platz und hörte all die Dinge, die mir im vergangenen Jahr durch den Kopf gegangen waren, einschließlich all der Gründe, warum ich nicht an Gott glaubte oder glauben konnte. Ich musste sie alle aufgeben. Mir war egal, ob meine Familie mich ablehnen würde, oder meine Freundin mich verlassen würde, oder ob ich es auf einmal meinen Freunden erklären müsste. Nur eines war wichtig: an Gott glauben oder nicht? Plötzlich fiel mir ein Grund ein, nicht zu glauben. Ich war ziemlich erleichtert, dass er mir eingefallen war und ging zu Herrn Katz. Ich sagte ihm, dass alles, was er gesagt hatte, gut und schön sei, aber was war mit dem Holocaust? Er sah mich an und sagte: „Junger Mann, das ist eine sehr gute Frage. So habe ich auch eine Frage an Sie. Was machen Sie mit dem Holocaust hier drin?“ Und er zeigte auf mein Herz. Sofort wurde mir klar, dass ich nicht besser war als all diejenigen, die solch ein Unheil angerichtet hatten. Ich war nicht besser, nicht heiliger als jeder andere, dem ich dieses Unheil vorwarf. Wäre es ein Schachspiel gewesen, so wäre es Schachmatt in einem Zug gewesen. Ich konnte nichts sagen, keine Antwort, keine Entschuldigung. Ich drehte mich um und wollte gehen. Um mich standen jüdische Freunde, die gekommen waren, um meine Frage zu hören. Sie alle kannten mich als jemand, die im Seminar immer schwere Fragen stellte. In diesem Moment waren sie – davon bin ich überzeugt – genauso verblüfft wie ich. Dann aber hörte ich seine Stimme: "Warte, warte! Gehen Sie nicht weg. Kommen Sie zurück! "Er sah mir direkt in die Augen und sagte:" Sie sind bereit, oder? " Ich antwortete: "Ja, ich bin bereit!" Er zog mich zur Seite, betete mit mir und ich fühlte den Frieden Gottes in mir. Es war das erste Mal, dass ich solchen Frieden empfand. Frieden tief in meinem Herzen! Bisher hatte ich noch nie so ein Gefühl gehabt.

Sechs Monate lang konnte ich nicht fassen, dass ich diese unglaubliche Entscheidung getroffen hatte. Ich stellte sie in Frage, zweifelte daran und glaubte nicht, dass so etwas möglich sei. Aber jeden Morgen stellte ich fest, dass ich Frieden hatte. Ohne Gott konnte ich es nicht erklären, und ich hatte es sicherlich nicht verdient – jetzt auch nicht. Ein halbes Jahr später ging ich wieder zu Art und er tauchte mich ein. Danach kam ich zurück nach Toronto und half dabei, die erste messianische Gemeinde in Kanada zu gründen.

Wow, das ist interessant! Wie haben deine Eltern reagiert, als sie herausfanden, dass du ein Gläubiger geworden bist?

Nun, du kannst dir vorstellen, dass meine Eltern langsam bemerkt haben, dass etwas mit mir anders war. Und natürlich bemerkten sie auch, dass ich dieser Gruppe von Juden beigetreten war, die sich freitags traf. Sie merkten auch, dass ich etwas am Schabbat unternahm. Ich verbrachte die meiste Zeit mit einer Gruppe junger Männer, deren Eltern alle Holocaustüberlebende waren. Viele von ihnen hatten Katz gehört und sie gehörten einer kleinen Gemeinschaft an, deren Leiter gerade aus der Gegend von Toronto kam; er wurde zum neuen Leiter. Die meisten von uns waren bloß Anfänger im Glauben. Es war eine wunderbare Zeit in meinem geistlichen Leben, die viele Veränderungen in mir hervorrief. Freitags ging ich am Abend zu den Hawurot; ich rezitierte die Brachot; ich erfuhr langsam etwas über das jüdische Leben  – all das, weil ich Teil dieser Gruppe war, in der alle Jungs gläubige Juden mit einem Synagogenhintergrund waren, nicht wie ich, der nicht aus einem jüdisch-religiösen Hintergrund kam. Einmal, als ich zu einem Treffen am Freitagabend ging, sagte mir meine Mutter: "Du weißt, dass wir hier auch Kerzen anzünden!" Ein anderes Mal fragte sie: "Was ist mit dir los? Wir wissen alle, dass du ein bisschen religiös geworden bist, aber was IST PASSIERT mit dir?" Ich sagte: "Ich glaube, der Messias ist gekommen." Sie sah mich an und sagte: "So wie du dich verändert hast, muss der Messias gekommen sein!" Schließlich verstanden meine Eltern, dass ich ein Nachfolger von Jeschua dem Messias geworden war. Aber schon Jahre vorher, bevor ich geboren war, hatten meine Eltern Kontakt zu Gläubigen, auch zu jemandem, dessen Familie in meiner messianischen Gemeinde war. Die Mutter dieser messianischen Familie war eine Nachbarin meiner Eltern, als sie nach Kanada kamen. Meine Mutter hatte also eine Beziehung dazu, was nicht schlecht war. Nach ein paar Jahren, als ich meinen College-Abschluss hatte, fühlte ich, dass der Herr mich dazu rief, eine Ausbildung zumachen, um Ihm zu dienen. Von dem bedeutenden messianischen jüdischen Gelehrten Dr. Jacob Jocz wurde ich beraten,  zu einem bestimmten Seminar zu gehen. Zuerst aber ging ich zu meinen Eltern und fragte: "Habt ihr etwas dagegen, wenn ich auf eine Schule gehe, die Leute für den Dienst ausbilden?" Sie überlegten und sagten: "Nein, wir haben nichts dagegen. Wir dachten, dass es für eines unserer Kinder gut wäre, eine solche Ausbildung zu erhalten und eine wichtige Stellung in der Gemeinde zu haben." Leider starb meine Mutter an Krebs, bevor ich fertig wurde. Sie hatte ihren Glaubensweg einige Jahre zuvor in Angriff genommen, traf aber ihre endgültige Entscheidung im Sterbebett. Da war sie bereit. Mein Vater hat den Herrn nie angenommen, obwohl er am Ende wirklich an Gott glaubte. Jeschua anzunehmen war etwas, das er nicht über sich bringen konnte. Aber meine Mutter erfreute sich der Freude und des Friedens von Gott, die mit Jeschua kamen. Auch wenn sie meinen Abschluss nicht erlebte, kam mein Vater zu meinem Abschluss mit anderen Familienmitgliedern, um meine Professoren zu treffen. Danach fing mein Dienst an.

Nun, du hast mir gesagt, dass du mit Leuten zu tun gehabt hast, die den Holocaust überlebt haben...

Die zentrale Bedeutung des Holocaust in meinem Leben stellte ich nach einigen Jahren im Dienst fest. Meine gefühlsmäßige Reaktion bei Menschen in der Krise oder in Not war von Anfang an dadurch geprägt, dass ich in einer Familie aufgewachsen bin, wo das Trauma des Holocaust immer präsent war. Ich wusste immer, dass ich etwas in mir hatte, womit ich nicht ganz fertig war. Ich konnte nicht immer Menschen verstehen, die in einer Krisensituation waren, die Schmerzen hatten, wütend waren oder nicht vertrauen konnten; und ich wusste nicht einmal, dass ich selber dieses Problem hatte. Aber schließlich musste ich verstehen, dass mein Leben zu Hause von Eltern geprägt worden war, die mit einem Trauma fertig werden mussten. Mein Vater war extrem zornig. Als er uns schlug, hatte er sich nicht unter Kontrolle. Natürlich sahen wir ihn nie weinen. Er war hart und autoritär. Meine Mutter war sehr gefühlsbetont. Obwohl sie ihre nächsten Verwandten nicht verlor, erinnerte sie sich jeden Tag an Familienangehörige, die ums Leben gekommen waren –  besonders an die Kinder, die sie kannte, bevor ihre Familie Deutschland verließ. Einer meiner Namen kommt vom Bruder meines Vaters, der als junger Mann mit nicht einmal 25 Jahren gestorben war. Er hatte eine Frau und ein Kind, die in Auschwitz gestorben sind. Also begann ich, mich mit einigen dieser Probleme auseinanderzusetzen, und als ich meinen Dienst verließ, als Gemeindegründer nach fünf Jahren völlig erschöpft, unterzog ich mich bewusst einer Therapie, um damit fertig zu werden.

Hast du deine Ausbildung beendet?

Ja. Ich habe bei drei verschiedenen Missionsdiensten gedient und ein zusätzliches Jahr gemacht, in dem ich in der Gemeindearbeit gearbeitet habe – insgesamt neun Jahre. In dieser Zeit hatte ich ein Kind. Nachdem ich den Dienst verlassen hatte, arbeitete ich in einem neuen Beruf und es gab mir Zeit nachzudenken und mich mit persönlichen Fragen in Bezug auf Vergebung, Offenheit und Transparenz, Wut, aber auch der persönlichen Neuorientierung zu befassen. Ich lernte, wie man sich mit ihnen nach und nach auseinandersetzt, indem ich zuließ, dass Gott mir dabei hilft. Dadurch verstand ich, dass ich ungesund gelebt hatte. Ich musste neue Entscheidungen treffen, um anders zu leben als bisher.

Hast du Bücher geschrieben?

Ich fing an, über das Thema der Vergebung im Zusammenhang mit dem Holocaust zu sprechen. Ich nahm mir die Zeit, einen Roman zu schreiben, der noch nicht veröffentlicht wurde. Später schrieb ich die Geschichte eines sehr wichtigen Missionsdienstes in Toronto. Es ist eine wichtige Missionsgesellschaft, die heute mit Einwanderern arbeitet, aber ursprünglich war es eine jüdische Mission in der Stadtmitte. Dieses Buch wurde von vielen gelesen. Ich habe jedoch noch nichts zum Thema Holocaust geschrieben, aber ich spreche darüber. Ich mache Präsentationen, in denen ich über Vergebung spreche. Im Grunde geht es darum, wie man das Unverzeihliche vergeben soll. Es beruht auf den Erfahrungen von Simon Wiesenthal, dem berühmten Nazijäger, der ein Buch mit dem Titel "Die Sonnenblume" geschrieben hat. Da spricht er von einem Gespräch mit einem jungen deutschen Soldaten, der sich Gräueltaten schuldig gemacht hatte und um Wiesenthals Vergebung bat, als dieser KZ-Häftling war. Ich vergleiche dieses Erlebnis mit der Gegenüberstellung Corrie Ten Booms, einer Überlebenden des Konzentrationslagers Ravensbrück – ihre Schwester starb dort – mit einem Wachposten des Lagers nach dem Krieg. Darüber spreche ich.

Und dann wurdest du wieder Leiter einer messianischen Gemeinde...

Ja, ich war schon fünf Jahre lang Gemeindegründer, bevor ich ein Burnout hatte. In den folgenden zehn Jahren arbeitete ich als Senior Corporate Fundraiser bei einigen der größten Non-Profit-Organisationen in Kanada. Während dieser Zeit arbeitete ich auch als freiberuflicher Schriftsteller und Verleger. Ich arbeitete auch in Teilzeit als Hauptredakteur der "Messianic Times", was dazu führte, dass ich von 2002 bis 2006 Herausgeber der Zeitung wurde. Danach bekam die Zeitung eine neue Leitung. Verlagsarbeit ist zeitlich sehr anspruchsvoll und das war für meine Familie ziemlich anstrengend. Im Februar 2007 schloss ich mich den Chosen People Ministries in Kanada an, als sie mich darum baten, zusammen mit anderen Missionaren ihre Zweigstelle in Toronto zu leiten, die ich als Berater betreute. Wir gründeten eine neue Gruppe von Gläubigen, die sich 2009 wöchentlich traf und die dann offiziell zur Gemeinde wurde. Seitdem wachsen wir weiter und werden gesegnet. Der Herr macht es möglich, dass wir treu Zeugnis geben können, und wir freuen uns, dass Menschen zum Glauben kommen. Noch wichtiger ist, dass das Hauptgewicht meiner Arbeit darin bestand, gläubige Juden bei der Wiederherstellung ihres Glaubens- und Gemeindelebens in einer Atmosphäre des Vertrauens, der Lehre, der Gemeinschaft und des Gebets zu helfen. Dies ist eine Gemeinde, in der die Menschen sich gegenseitig helfen, füreinander beten und sich gegenseitig aufbauen. Viele Leute kommen und bringen auch ihre Familien mit. Dazu gehören sowohl ganze jüdische als auch nichtjüdische Familien. Wir haben Menschen, die ihre älteren Eltern, die älteren Familienmitglieder sowie ihre Kinder ohne weiteres mitbringen, weil wir eine gute Schabbatschule haben.

Was sind einige der typischen Merkmale der Juden in Kanada?

Kanadische Juden sind im Allgemeinen sehr tolerant und haben in unserer Gesellschaft führende Positionen, die fortschrittliche Denkweisen und Einstellungen fördern und Vorurteile gegenüber Minderheiten ablehnen. Jüdische Leute nehmen das sehr ernst und sie waren eine der Gruppen, die sich für die "Anti-Hass"-Gesetze einsetzten. Die jüdischen Gemeinden in den kanadischen Großstädten Toronto, Montreal und Winnipeg waren immer sehr stark. Sie lebten schon immer in enger Nachbarschaft, und legen in der Regel großen Wert auf ihr Familienleben. In Toronto hatten wir einige hervorragende jüdische Politiker, die im Land sehr bekannt sind. Im Allgemeinen fördert die jüdische Gemeinde besonders die Werte des Gemeinwohls und der Familie.

Jetzt zur letzten Frage: Was würdest du der weltweiten messianischen Bewegung raten?

Nun, ich war gerade in Thailand und sprach mit Menschen, die noch nie einen messianischen Juden kennengelernt hatten. Ich wurde dort eingeladen, um den Leitern und Evangelisten der Gemeinden in einem weitgehend buddhistischen Land, in denen Christen eine kleine Minderheit sind, eine jüdisch-messianische Sichtweise der Bibel zu präsentieren. Und ich erzählte, dass auch ich Menschen erreiche, die gegen das Evangelium sind. Natürlich habe ich ihnen auch eine jüdische Sicht auf Jeschua und das Neue Testament gezeigt und erklärt. Das gab ihnen eine neue Perspektive in Bezug auf die Ereignisse in ihrer eigenen Gesellschaft. In Thailand bemühen sie sich darum, eine vereinte, funktionsfähige Nation aus vielen verschiedenen Volksgruppen zu bilden, und ich war beeindruckt von ihren Fortschritten dabei. Es gibt überall für die Menschen die gleiche Herausforderung: Es fällt uns schwer zu glauben, dass Gottes Liebe und Pläne nicht nur für uns gelten. In der Bibel zeigte Gott Abraham und seinen Nachkommen, Israel, seine Treue, indem er den Bund mit ihnen selbst dann erneuerte, als sie berufen waren, allen Nationen ein Licht zu sein und für alle Nationen zu beten. Komischerweise neigten Christen dazu, den Neuen Bund als eine Verheißung für Nichtjuden zu betrachten, obwohl es eigentlich ein Zeichen für die Treue Gottes zu Seinem Volk Israel war! Für die besten Gelehrten der Kirche blieb der Bezug des Neuen Bundes zu Israel lange Zeit ein Mysterium: zum Beispiel in Lukas 21:24, dass das Neue Testament die Verheißung Jeschuas enthält, Jerusalem wird als jüdische Stadt wiederhergestellt; oder die prophetischen Worte von Paulus in Römer 11:25, dass ganz Israel gerettet werden wird. Und in der Tat scheinen diese prophetischen Visionen seit zweitausend Jahren der Kirche verborgen geblieben zu sein. Das sind immer noch umstrittene Wahrheiten, auch wenn sie in unserer Zeit mit dem Aufkommen der jüdisch-messianischen Bewegung, mit der Wiederherstellung von Jerusalem als jüdischer Haupstadt und von Israel als ihr eigenes Land vor unseren Augen erfüllt werden. Für alle Nationen ist dies ein Zeichen der Treue Gottes zu seinen ursprünglichen Verheißungen an Abraham. Vor allem sind wir Zeugen seiner Treue zu Seinem Volk mit seiner eigenen Identität. Wenn ich sage: "Ich bin ein Kind meines Vaters Abraham", ist es ein eindeutiges Zeichen für Menschen aller Nationen, dass Gott, der vor viertausend Jahren seine Verheißungen meinem Vater Abraham gegeben hat, diesem Volk seit viertausend Jahren noch treu bleibt. Ich kann sagen: „Halte an dieser Verheißung fest und glaube, dass du persönlich für Gott wichtig bist. Er will nicht deine Identität auslöschen.“ Manche Leute denken, dass Jesus zum Heiden wurde, als er auferweckt wurde, weil sie seine jüdische Identität vergessen haben. Jeschua ist unser jüdischer Messias! Ich frage oft: "Wenn du auferweckt wirst, denkst du, dass du deine Identität verlierst?" Und danach frage ich: "Glaubst du, dass Jeschua seine Identität verloren hat, als er auferstanden ist?" Die Hauptverheißung der Auferstehung ist die Verheißung, dass wir unsere Identität als Zeugnis für die liebevolle Treue Gottes behalten. All diese Dinge helfen uns, Grenzen zu überschreiten und Türen zu öffnen, wenn die Leute fragen: "Was kann dein Gott mir sagen?" Was kann der Gott Israels einem Volk in der Ferne sagen, das in einer Kultur aufgewachsen ist, in denen sie Götzen buchstäblich anbeten und die noch vor nicht allzu langer Zeit Opfer dargebracht haben, um Gott zu suchen, aber keinen Frieden gefunden haben? Wir sehen immer noch, wie Jeschua geschlossene Türen auftut, um solche Menschen dazu aufzurufen, auf den Spuren Abrahams zu wandeln und den Frieden des Messias zu erfahren! Und wir sprechen von Menschen, die in Volksgruppen der Welt mitten in Südostasien leben. Dies ist die Erfüllung der Verheißung Gottes über den Messias in Jesaja 42, wo er sagt: „Er wird das Recht zu den Heiden hinaustragen … mache dich zum Licht der Heiden“. Es bedeutet, dass Gott diese Botschaft der Hoffnung und Erlösung in dem Messias wahr macht und dass sein Knecht damit die entferntesten Orte erreichen wird. An so einem Ort konnte ich diesen Evangelisten und Kirchenführern sagen: „Ich sehe in euch die Erfüllung der Verheißungen Gottes, ein Zeichen, dass Jeschua wirklich der Messias ist – ein Zeichen, den Er mir zeigte, als ich ein Jugendlicher war, der allein zu Hause in Kanada saß und darüber nachdachte: Wie kann Gott von Jerusalem aus die entlegensten Orte der Welt erreichen?“ Ich habe gesehen, wie sie in die entlegenen Bergdörfer gehen, um von dem selben Frieden Gottes zu erzählen, den ich in Ihm gefunden habe. Die wunderbarste Sache der Welt ist also eine Realität, von der ich Zeuge bin – das ist diese Botschaft einer großartigen Hoffnung. Und es ist mein Privileg, im Licht dieser Hoffnung zu leben; nicht weil ich perfekt bin, oder weil ich diese Realität, diesen Segen und die Gnade in Jeschua nicht jeden Tag für mein eigenes Leben brauchen würde, sondern weil ich weiß, dass Seine Treue das Leben all derer stärkt, die Ihm vertrauen.


Genau so ist es! Vielen Dank!

Schalom!



 






 Interview mit Ben Volman, messianischem Rabbiner und Direktor des messianischen Zentrums in Toronto, Kanada

„Wenn ich sage: "Ich bin ein Kind meines Vaters Abraham", ist es ein eindeutiges Zeichen für Menschen aller Nationen, dass Gott, der vor viertausend Jahren seine Verheißungen meinem Vater Abraham gegeben hat, diesem Volk seit viertausend Jahren noch treu bleibt.“

Du bist ein messianischer Rabbi...

Ja, ich gebrauche den Begriff messianischer Rabbi, wenn es um Gemeinde geht, aber wenn Leute mich treffen, sage ich normalerweise: "Nennt mich einfach Ben."

Zunächst einmal bist du Jude...

Mein Vater hat den Holocaust überlebt und traf nach dem Krieg meine Mutter in Israel. Sie war in Israel aufgewachsen, weil ihre Familie Anfang der 1930er Jahre aus Deutschland geflüchtet war. In Israel wurden sie “Jekkes“ genannt. Als sie meinen Vater kennenlernte, arbeitete sie als Krankenschwester, und er war ein Schmied aus Ungarn. Im März 1948

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